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„Kurve kriegen“
eine NRW-Initiative zur Verhinderung von Jugendkriminalität

Timo, elf Jahre alt, zwei Gewaltdelikte, ein Ladendiebstahl, vier Vermisstenmeldungen und diverse Male als Zeuge in Ermittlungsverfahren mit weiteren minderjährigen Tatverdächtigen in Erscheinung getreten. So ähnlich liest sich immer wieder die Vita eines Kindes im Rahmen der polizeilichen Sachbearbeitung. Sein Verhalten gibt Anlass zur Sorge, sich bei ungünstigen Rahmenbedingungen zu einem sogenannten Intensivtäter zu entwickeln.

Die NRW-Initiative „Kurve kriegen“ hat zum Ziel, die Entwicklung von besonders kriminalitätsgefährdeten Kindern und Jugendlichen zu Intensivtätern frühestmöglich zu erkennen und nachhaltig zu verhindern. Auch, um so die Anzahl der von ihnen begangenen Straftaten und damit ebenfalls die Anzahl ihrer Opfer auf null zu reduzieren bzw. sehr deutlich zu verringern. Der Zielgruppe wird so eine Perspektive, gesellschaftliche Teilhabe und ein straffreies Leben geboten.

2011 wurde die bundesweit einmalige Initiative durch das Ministerium des Innern NRW auf Grundlage der Erkenntnisse der Enquetekommission Prävention zunächst in acht Polizeibehörden, darunter Köln, auf den Weg gebracht. Seit dem erfolgreichen Start beteiligen sich inzwischen über 40 Behörden.
Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit und Effizienz der Initiative durch die Evaluationen der Kieler Christian-Albrecht-Universität und der PROGNOS AG gut belegt. „Kurve kriegen“ wurde 2017 in die Grüne Liste Prävention aufgenommen.

Eine Teilnahme an „Kurve kriegen“ ist möglich, wenn Kinder bzw. Jugendliche (8 - 17 Jahre) durch eine Gewalttat oder drei Eigentumsdelikte auffallen und aufgrund einer hohen Belastung mit kriminalitätsfördernden Risikofaktoren eine Entwicklung in Richtung eines Intensivtäters prognostiziert wird  bzw. ein dauerhaftes Abgleiten in die Kriminalität droht.

Das Konzept setzt auf frühe Hilfe statt späte Härte! Erfahrungsgemäß ist die kriminalpräventive Wirkung umso größer, je jünger das auffällige Kind ist. Der Fokus liegt daher auf Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 - 15 Jahre.

Pädagogische Fachkräfte und erfahrene Kriminalbeamtinnen und -beamte begleiten gemeinsam delinquente Kinder und Jugendliche in ein Leben ohne Kriminalität.

Im Kriminalkommissariat 43 erfolgt ein sogenanntes Risikoscreening für potenzielle Teilnehmende. Neben den strafrechtlichen Auffälligkeiten werden insbesondere die Lebensumstände der jungen Menschen betrachtet. Sogenannte Risikofaktoren wie  z. B. Häuslicher Gewalt, sonstige Gewalterfahrung, Drogenkonsum, problematisches Freizeitverhalten, Schulverweigerung, Gebrauch/Einsatz von Waffen, kann das Risiko, dauerhaft in die Kriminalität abzurutschen, erhöhen.  

Die Familien werden durch die Polizei aufgesucht, um über das Programm zu informieren und ein Angebot zur Teilnahme zu unterbreiten. Bei Zusage der Sorgeberechtigten erfolgt die Aufnahme und Vermittlung an die pädagogischen Fachkräfte von „Kurve kriegen“. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos.

Seit Jahren arbeitet die Polizei Köln in „Kurve kriegen“ mit pädagogischen Fachkräften der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Köln e. V. (AWO) intensiv und eng zusammen. Sie fungieren als Bindeglied zum Jugendamt und weiteren Kooperationspartnern wie z. B. Schulen. Sie koordinieren die Netzwerkarbeit und erstellen ein passgenaues kriminalpräventiv wirkendes Angebot für die Kinder, Jugendlichen und deren Familien.
Das Team, bestehend aus vier pädagogischen Fachkräften und zwei Beschäftigten der Kriminalpolizei, betreut gemeinsam. Es geht um individuelle Hilfe und Unterstützung auf dem Weg „die Kurve zu kriegen“.

Wir bieten:

  • Aktive Unterstützung durch erfahrene Fachkräfte,
  • Individuelle Förderung für das Kind (z. B. Kompetenztraining, schulische Unterstützung, Freizeitangebote, individuelle Unterstützung und auch Elternberatung),  
  • Neue Wege und Perspektiven.


Was können Erziehungsberechtigte und betroffene Jugendliche tun?

  • Seien Sie offen für die gemeinsame Arbeit. Lassen Sie sich drauf ein.
  • Ergreifen Sie die Chance, Probleme anzugehen und sie mit unserer Unterstützung zu lösen.

 

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